about

Julia Redepennig, Journalistin
. . .
Die 54-jährige Prignitzerin liebt zudem die Natur – sie ist ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit
und eine große Inspiration für ihre Projekte . . . Anregungen sammelt sie auf Spaziergängen oder Fahrten
durch die Natur. „Ich arbeite im Atelier und unterwegs, auf täglichen Spazierweg oder beim Autofahren“,
erklärt sie. So entstehen Fotos, werden aus Fundstücken Kunstwerke oder entstehen Texte und Gedichte.
Auch eigene Lieder komponiert Annett Glöckner . . . Aktuell beschäftigt sie sich mit dem Thema Stille . . .
aus einem Portrait in der MAZ, 5.2.2019

 

Regine Buddeke, Journalistin
Bei Harry Potter war es ganz einfach: man hat die Erinnerung einfach mit dem Zauberstab direkt aus der Schläfe
gesaugt und in einen Flakon gefüllt. Gut verkorkt hielt die sich da Jahrhunderte. Dass es auch anders geht,
bewies die Aktionskünstlerin Annett Glöckner am Sonnabend im Neuruppiner WK III. Sie befragte die Passanten
einfach nach ihren Erinnerungen und schrieb sie auf. Beziehungsweise ließ aufschreiben. Bereit standen Tusche
und Tinte, Federkiele und Schreibfedern, Kalligrafie-Pinsel oder Fasermaler.
„Wir sprechen alle Leute an die vorbeikommen“, erklärt Glöckner. Manche wollen erst nichts sagen, sprudeln dann
aber förmlich vor Erinnerungen. Etwa über das Modderparadies für Kinder, das das WK III zu DDR-Zeiten einmal war.
Am Ende des Tages hängen Wäscheleinen voller Erinnerungen und flattern fröhlich im Wind.
MAZ, aus dem Artikel „Kunstaktion mit Annett Glöckner“, 24.9.2017

 

Bauer + Möhring, Ankündigung Performance
Die Meisterschülerin der Hochschule der Künste zog 1995 in die Prignitz. In ihrer Performance schildert
Annett Glöckner ihr Leben als Künstlerin auf dem Lande. Sie erzählt von einsamen, witzigen, haarsträubenden
und spirituellen Erfahrungen inmitten Mutter Natur, von Selbstermutigung und dem Anstiften von Schabernack
unter den Landbewohnern.
Apostel-Paulus-Kirche Berlin, Performance „Mein roter Faden“, mit Rajko Schlee – Flamenco- und E-Gitarre, September 2014

 

Jost Löber, Bildender Künstler
Die (Objekte) sind Streetart auf dem Lande für mich. Da sind Äcker, Felder, Bäume und auch ein rostiges Teil.
Die Teile erzählen von ihrer Herkunft – da ist ein Ofen, da ist Asche, da sind Landmaschinen . . .
Das Teil sagt, da ist die Künstlerin, die hat mich getroffen und mit mir gesprochen. Das ist Kommunikation!
Annett Glöckner erhöht diese Alltagsgegenstände und verbindet sich mit dem ländlichen Leben, zeigt, daß sie
auf ihre Weise dazugehört.
Rosenwinkel, gemeinsame Ausstellung „Wintersession“, 2013

 

Prof. Bernhard Boës, Hochschule der Künste Berlin
Annett Glöckner arbeitet nicht für ein versnobtes Publikum.
Ihre Arbeiten sind engagiert, niemals platt, immer originell und überraschend in der Form, amüsant, bestürzend,
erwärmend und ein schlechtes Gewissen machend.
Ihre jetzt zwei Jahre zurückliegende Meisterschülerarbeit, in der sie unsentimal aber hautnah das Tagesproblem
einer Region und ihrer Bewohner in die Kunst geholt hat (ein Denkmal und ein Film), war einmalig in der HdK und
wird bald ein Klassiker sein.
Ihre Arbeiten wachsen am Problem und finden unerwartete passgenaue Formen dafür. Sie arbeitet nicht am feinen
Geschmack, sie arbeitet an der Wahrheit.

Berlin, 20. Oktober 1994

 

Jens Kanitz, Bildender Künstler
Die Arbeit von Annett Glöckner, das Gesamtpotential, ist unmittelbar, unverstellt, direkt.
Und als Betrachter sowohl der Objekte als auch der Bühnenarbeit werde ich verlockt zu meiner eigenen
Ursprünglichkeit.
Das ist manchmal unbequem.
Neuruppin, 2008

 

Walter Aue, Schriftsteller
. . . So entdeckte ich im Garten des Gantikower „Lügenmuseums“ einen Pavillon, der mit alten hölzernen
Fundstücken gefüllt war, auf denen zu meiner Überraschung mit weißer Farbe eine Geschichte geschrieben war.
Eine Kunst, eine Literatur, die ich noch niemals gesehen hatte! Und vor Aufregung vergaß ich, sie zu lesen.
Mir genügte ihr Aussehen. Ihre Idee. Unter den beschriebenen Gegenständen ein alter Hocker, unbekannte kisten-
artige Behälter, aus morschen Holzbrettern provisorisch zusammengenagelte Kästen. Ihre vom Alter und Gebrauch
gezeichneten Oberflächen waren ein wohltuender, fast rührender Kontrast, zu der kleinen weißen Schrift von Annett
Glöckner, der Künstlerin, die die abgesonderten Findlinge gesammelt, zusammengefügt und schließlich geduldig
beschrieben hatte.
Inzwischen habe ich Annett Glöckner nach Strodehne eingeladen, um in ihrer künstlerischen Darstellungsweise,
nämlich Fundobjekte zu beschreiben, eine Ausstellung in meinem Fontane-Museum
vorzubereiten. Die dafür notwendigen
Gegenstände fand ich in der Alltagsgeschichte unseres eigenen Dorfes . . .
Das bisher im Abseits gelegene Strandgut wird so eine Literatur, die wir mit beiden Händen ertasten können. In der
wir nicht nur die Narben ihrer ehemaligen Verwendung, ihrer Funktion und ihres Alters, ihrer jahreszeitlichen Ein-
wirkungen, sondern auch die Wärme der vergangenen Sommertage spüren können.   . . .
In einer bewusst dilettantisch erscheinenden Schreibschrift dem Lesenden ins Bewusstsein schreibt. Und das auf zwei
verrußten eisenbeschlagenen Türen von Räucherkammern!
Und Instetten „frostig wie ein Schneemann . . . nur mit Zigarre . . . als ob ihr Herz stillstände.“ Und Effi Briest,
seine junge Frau, verging vor Langeweile. Oder genauer: vor ungestilltem Lebenshunger. Hinter verschlossenen Türen . . .
Es gibt kein Geschehen oder Ding, weder in der belebten noch in der unbelebten Natur, das nicht in gewisser Weise an
der Sprache teilhätte“, formulierte Walter Benjamin . . .
aus dem Text „Findlinge der Absonderung“, Strodehne, 10. September 2007